Mobiles ortsbezogenes Lernen im Kontext der Klimaanpassung

Eine sequenzielle Mixed-Methods-Studie über Bedarfe, Gestaltungsanforderungen und Wirksamkeit

Dana Graulich, M. Sc.

Erstbetreuer: Prof. Dr. Alexander Siegmund

Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Sandra Sprenger

 

Hitzeereignisse, Starkregen und urbane Wärmeinseln zeigen, wie deutlich die Folgen des Klimawandels bereits heute auf lokaler Ebene spürbar sind (IPCC, 2023). Neben dem Klimaschutz gewinnt deshalb die Klimaanpassung zunehmend an Bedeutung. Sie umfasst Maßnahmen, die darauf abzielen, natürliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Systeme widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu gestalten und Schäden zu minimieren (IPCC, 2023). Damit Menschen solche Maßnahmen erkennen, bewerten und ihre Bedeutung für das eigene Lebensumfeld verstehen können, kommt der Bildung eine wichtige Rolle zu (UNESCO, 2015).

Während Klimaschutz bereits vergleichsweise fest in der schulischen Klimabildung verankert ist, wird Klimaanpassung bislang deutlich weniger berücksichtigt (Klüsener & Wittlich, 2023). Auch in der empirischen Bildungsforschung ist das Thema bisher unterrepräsentiert: Ein systematischer Review zeigt, dass sich lediglich 3 % der 146 untersuchten Studien zu didaktischen Interventionen explizit mit Klimaanpassung beschäftigen (Bottin et al., 2026). Zudem fällt es vielen Schülerinnen und Schülern schwer, Klimaschutz und Klimaanpassung voneinander zu unterscheiden und konkrete Maßnahmen korrekt zuzuordnen (Bofferding & Kloser, 2014; Schrot et al., 2019; Hanke et al., 2026). Gleichzeitig besteht Bedarf an Bildungsangeboten, die neben den Risiken des Klimawandels auch Lösungsansätze und konkrete Handlungsmöglichkeiten im unmittelbaren Lebensumfeld aufzeigen (Ojala & Lakew, 2017; Wankmüller et al., 2025).

Hier setzt die Dissertation an. Sie untersucht, wie mobile digitale Lernangebote dazu beitragen können, Klimaanpassung als lokal erfahrbaren Lerngegenstand in den Geographieunterricht zu integrieren. Denn viele Anpassungsmaßnahmen – etwa begrünte Plätze, Verschattungssysteme oder Maßnahmen zum Hochwasserschutz – lassen sich besonders gut dort erschließen, wo sie tatsächlich umgesetzt werden oder wo ihre Notwendigkeit sichtbar wird (Moser, 2014; Wankmüller et al., 2022). Auch aktuelle Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung lokaler und regionaler Raumbeispiele, da Schülerinnen und Schüler den Klimawandel und seine Auswirkungen häufig weiterhin als räumlich entfernt wahrnehmen (Kerscher et al., 2025).

Das mobile ortsbezogene Lernen (MOL) bietet die Möglichkeit, die unmittelbare Auseinandersetzung mit realen Orten mit digitalen Informationen und Aufgaben zu verbinden (Hiller et al., 2019). Während Exkursionen die originale Begegnung mit der räumlichen Wirklichkeit ermöglichen (Rinschede & Siegmund, 2020), können digitale Medien die Erkundung vor Ort durch zusätzliche Informationen und Möglichkeiten zur Dokumentation ergänzen (Feulner & Ohl, 2014). Studien weisen zudem auf das Potenzial mobiler Lernangebote für die Lernmotivation, den Wissenserwerb und die aktive Auseinandersetzung mit dem Raum hin (Sung et al., 2016).

Die Dissertation folgt einem sequenziellen Forschungsdesign mit drei aufeinander aufbauenden Phasen: Exploration, Entwicklung und Evaluation. Zunächst werden die Vorstellungen von Schülerinnen und Schülern zur Klimaanpassung, ihre Mediennutzung im Kontext des Klimawandels sowie die Erfahrungen und Anforderungen von Lehrkräften im Umgang mit mobilen Anwendungen untersucht. Auf dieser Grundlage wird ein mobiles digitales Lernangebot zur Klimaanpassung konzipiert und entwickelt. In einer abschließenden Evaluationsphase wird untersucht, welche Wirkungen das Angebot auf die intrinsische Motivation und das Wissen der Schülerinnen und Schüler sowie auf ihr Vertrauen in Anpassungsmaßnahmen entfaltet.

Die Arbeit verbindet damit die Analyse didaktischer Bedarfe mit der Entwicklung und empirischen Überprüfung eines konkreten Bildungsangebots. Sie leistet einen Beitrag zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Klimaanpassung als Gegenstand der Klimabildung und zeigt Potenziale sowie Herausforderungen des mobilen ortsbezogenen Lernens im schulischen Kontext auf. Ziel ist es, Erkenntnisse für die Gestaltung digitaler Lernangebote zu gewinnen, die Klimaanpassung vor Ort erfahrbar machen und eine fundierte Auseinandersetzung mit lokalen Anpassungsmaßnahmen fördern.

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