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21.10.2026

Von der Datenerhebung zur Analyse: Schülerinnen und Schüler untersuchen den digitalen Zwilling eines Apfelgartens

Digitale Geomedien in der Umweltbeobachtung: Teil 2 des Apfelgarten-Projekts in Beuron

 

Wie gesund ist der Apfelgarten von Beuron? Dieser Frage gingen Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Erhard-Schule Sigmaringen gemeinsam mit der Research Group for Earth Observation (rgeo) der Pädagogischen Hochschule Heidelberg sowie dem Naturschutzzentrum Obere Donau nach. Der Projekttag bildete den zweiten Teil einer langfristigen Lern- und Forschungsreihe zum Einsatz digitaler Geomedien in der Umweltbeobachtung. Bereits im ersten Projektmodul im vergangenen Jahr wurde die Streuobstwiese im Apfelgarten Beuron mithilfe einer Multispektraldrohne beflogen. Dabei entstanden hochauflösende Luftbilder, aus denen ein digitaler Zwilling des Untersuchungsgebiets erstellt wurde. Die damaligen Datenerhebungen sollten in späteren Kursen analysiert und ausgewertet werden. Genau dieser Schritt stand nun im Mittelpunkt des zweiten Moduls. Nach einer Einführung & Wiederholung in die Grundlagen der Fernerkundung und Umweltbeobachtung kartierten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Bereiche des Apfelgartens direkt im Gelände mit Hilfe der App BLIF:Explorer. Dabei dokumentierten sie Baumvitalität, Bodenbedeckung sowie Auffälligkeiten wie Trockenschäden oder Schädlingsbefall und hielten ihre Beobachtungen digital fest. Im anschließenden Analyseblock wurden die eigenen Geländebeobachtungen mit den bereits vorhandenen Drohnenaufnahmen und Satellitendaten verglichen. Mithilfe von RGB-Bildern, Vegetationsindizes (NDVI) und automatisierten Klassifikationen untersuchten die Teilnehmenden, welche Informationen sich aus unterschiedlichen Datensätzen gewinnen lassen und wie zuverlässig sich der Gesundheitszustand von Vegetation aus der Luft beurteilen lässt. Besonders im Fokus stand dabei die Frage, wie sich Geländeerhebungen und Fernerkundungsdaten sinnvoll ergänzen. Die Schülerinnen und Schüler stellten fest, dass manche Informationen nur vor Ort erkennbar sind, während Drohnen- und Satellitendaten einen umfassenden räumlichen Überblick ermöglichen. Die zentrale Erkenntnis des Tages lautete daher: Erst die Kombination aus Gelände-, Drohnen- und Satellitendaten ermöglicht ein umfassendes Verständnis von Umweltprozessen.

Der Projekttag verdeutlichte eindrucksvoll, wie moderne Geotechnologien in Forschung, Umweltmonitoring und Naturschutz eingesetzt werden können. Gleichzeitig erhielten die Teilnehmenden einen praxisnahen Einblick in aktuelle geowissenschaftliche Methoden und Berufsfelder an der Schnittstelle von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Umweltforschung. Die Ergebnisse der Geländekartierung können kostenfrei unter: https://ar.rgeo.de/blif/ abgerufen werden.

 

Kartierung des Apfelgartens Beuron mit der kostenfreien Fernerkundungssoftware BLIF (www.blif.de)

09.10.2026

rgeo beim 45. EARSeL Symposium in Athen

Vom 29. September bis 2. Oktober 2026 fand an der Harokopio Universität in Athen das 45. EARSeL Symposium statt. Das Institut für Geographie & Geokommunikation – Research Group for Earth Observation (rgeo) der Pädagogischen Hochschule Heidelberg war mit Tobias Gehrig und Nils Schorndorf vor Ort.

 

Unsere Beiträge

Tobias Gehrig und Nils Schorndorf waren mit Vorträgen in der Special Session "EO Education, Training & User Uptake" vertreten. Tobias Gehrig hat in dieser Session Prof. Alexander Siegmund als Chair vertreten und sie gemeinsam mit Prof. Premysl Štych (Karls-Universität Prag) geleitet.

KI:EO (Vortragender: Nils Schorndorf; Co-Autoren: Christian Plass, Johannes Keller, Julian Stolz, Alexander Siegmund): Der Vortrag stellte den aktuellen Stand des Projekts vor. Im Zentrum steht ein sokratischer KI-Tutor, der Schülerinnen und Schülern beim Arbeiten mit Satellitenbildern keine fertigen Antworten liefert, sondern Denkanstöße und Rückfragen gibt. Der Prototyp ist nahezu fertig entwickelt. Als Nächstes wird er in unsere E-Learning-Plattformen geospektiv.de und BLIF.de eingebunden und dort getestet. Danach erproben und evaluieren wir den Einsatz im Unterricht gemeinsam mit Partnerschulen.

DiGeo:BBNE (Vortragender: Tobias Gehrig; Co-Autor: Alexander Siegmund): Der Beitrag zeigte, wie Erdbeobachtungsdaten, GIS und mobile Geotools in der beruflichen Bildung eingesetzt werden können, um nachhaltigkeitsbezogene Fragestellungen mit realen Berufskontexten zu verbinden. Die bisherigen Ergebnisse der wissenschaftlich begleiteten Dissertationsstudie mit über 600 Lernenden und über 100 Lehrkräften verdeutlichen, dass solche Lernangebote digitale Kompetenzen, räumliches Denken und berufsbezogene Handlungskompetenzen fördern und von Lehrkräften wie Lernenden positiv bewertet werden.

 

Nach der Special Session (von links nach rechts): Jan Svoboda (Karls-Universität Prag), Premysl Štych (Karls-Universität Prag), Tobias Gehrig (Pädagogische Hochschule Heidelberg) und Nils Schorndorf (Pädagogische Hochschule Heidelberg).

 

Was ist EARSeL?

EARSeL (European Association of Remote Sensing Laboratories) ist ein wissenschaftliches Netzwerk europäischer Fernerkundungsinstitute aus Forschung und Wirtschaft. Es wurde 1977 gegründet und hat rund 250 Mitgliedslabore. Das jährliche Symposium ist das wichtigste Treffen des Netzwerks und zeigt aktuelle Trends der Fernerkundung. Dazu kommen thematische Workshops der Special Interest Groups (SIGs).

 

 

 

05.10.2026

Klimacamp der UNESCO-Projektschulen zum 5. Mal am Institut für Geographie & Geokommunikation

Inzwischen ist es eine echte Tradition – bereits im 5. Jahr in Folge fand Ende Sept 2026 wieder ein dreitägiges Klimacamp der UNESCO-Projektschulen am Institut für Geographie & Geokommunikation statt. Dieses Jahr durften wir sieben Schulen aus Bruchsal, Buchen, Emden, Göttingen, Leipzig, Neumarkt und St. Ingbert begrüßen, die mit dem UNESCO-Lehrstuhl von Prof. Siegmund über das gemeinsame Klimastationennetzwerk verbunden sind. Insgesamt 32 Schülerinnen und Schüler von der 7. bis zur 13. Klasse waren mit ihren Lehrkräften angereist und hatten Bodenproben vom eigenen Schulgelände im Gepäck. "Boden" war das Hauptthema des diesjährigen Camps, welches im Labor und am PC bzw. mit einer VR-Brille aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht wurde. Eine Führung durch den Schwetzinger Schlossgarten zum Klimawandel in historischen Gärten und ein Bummel durch die Heidelberger Altstadt rundeten das abwechslungsreiche Programm ab.

 

05.10.2026

rgeo bei der Geography Connect Convention

Vom 30. September bis 2. Oktober 2026 fand in Osnabrück erstmals die Geography Connect Convention (GCC) der Deutschen Gesellschaft für Geographie (DGfG) statt. Unter dem Leitthema "Mensch-Umwelt-Beziehungen: Risiken – Transformationen – Zukünfte" brachte die neue Tagung Geograph*innen aus Wissenschaft, Lehre und Praxis zusammen und setzte dabei auf Austausch und Vernetzung über die Grenzen der verschiedenen Teilbereiche der Geographie hinweg.

 

Luisa Neubauer richtete den Blick in ihrer Keynote auf Zukünfte und Perspektiven der Geographie

 

Auch Dana Graulich und Luca Jehle vom Institut für Geographie und Geokommunikation der Pädagogischen Hochschule Heidelberg waren auf der GCC vertreten. Mit einem Poster präsentierte Dana Graulich Ergebnisse ihrer Forschung zur Frage, wie mobile, ortsbezogene Lernangebote Jugendliche bei der Auseinandersetzung mit Klimaanpassung unterstützen können. Ihr Beitrag "Mit der mobilen App Klimawandelanpassung vor Ort begreifen: Potenziale und Perspektiven" stellte die Evaluation einer Lern-App zur Klimaanpassung vor. Das entwickelte Lernangebot folgt dabei einem standortunabhängigen, aber ortsgebundenen Aufgabenprinzip: Die Aufgabenstellungen sind unabhängig von einem bestimmten Lernort konzipiert, ihre Bearbeitung setzt jedoch voraus, dass die Lernenden den jeweiligen Ort tatsächlich aufsuchen. 

Luca Jehle und Prof. Dr. Alexander Siegmund waren mit einem wissenschaftlichen Beitrag vertreten. In ihrem Vortrag "SAR Remote sensing of dunes in the Atacama desert – a contribution to the pedosphere–biosphere interaction of hyperarid ecosystems" untersuchten sie mithilfe von Satellitendaten die Wechselwirkungen zwischen Dünenstrukturen und der Vegetation in der Atacama-Wüste. Im Fokus stand Tillandsia landbeckii, eine an Nebel gebundene Pflanze, deren räumliches Vorkommen als Bioindikator für die Verfügbarkeit von Nebel als nachhaltige Wasserressource dienen kann. Mithilfe von Sentinel-1-Radardaten und optischen Satellitenbildern wurden dabei unter anderem die Oberflächenbeschaffenheit und räumliche Verteilung von Sandablagerungen analysiert. Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen stabilisierten Dünenoberflächen und dem Vorkommen der Tillandsien und verdeutlichen damit das Potenzial satellitengestützter Fernerkundung, geomorphologische und ökologische Prozesse gemeinsam zu untersuchen.

 

Dana Graulich und Luca Jehle bei der GCC

 

Neben ihrem eigenen Forschungsbeitrag war Dana Graulich auch als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der GCC an der Gestaltung der neuen Tagung beteiligt. Der wissenschaftliche Beirat war unter anderem in die Programmplanung und die inhaltliche Ausrichtung der Convention eingebunden. Gemeinsam mit Carla Bube organisierte sie dabei die Podiumsdiskussion „Geographie im Spannungsfeld zwischen Interdisziplinarität und Beliebigkeit? Eine Disziplin in der (erneuten) Selbstfindung“ und übernahm gemeinsam mit weiteren Kolleg*innen die Leitung mehrerer Sessions.

Neben klassischen Vorträgen und Posterpräsentationen setzte die GCC bewusst auf neue und interaktive Formate: Beim "Pitch & Connect" konnten Teilnehmende eigene Ideen, Projekte oder offene Fragen in kurzen Pitches vorstellen und anschließend gezielt mit potenziellen Kooperationspartner*innen ins Gespräch kommen. Zahlreiche Workshops boten vor allem dem wissenschaftlichen Nachwuchs Möglichkeiten – von GIS über Drittmittelanträge und Moderation bis zu Science Slam und Story-Telling – verschiedene Perspektiven und Methoden der Geographie kennenzulernen. Einen besonderen Akzent setzte zudem die Keynote von Luisa Neubauer, die als Geographin und Klimaaktivistin über Klimakrise, gesellschaftlichen Wandel und die Frage nach der Rolle von Wissen in Veränderungsprozessen sprach.

Die GCC bot damit nicht nur eine Plattform, um aktuelle Forschung vorzustellen, sondern auch die Möglichkeit, sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft der Geographie zu beteiligen.

 

Der wissenschaftliche Beirat der GCC 2026 mit Neubauer (5. v. r.)

 

Foto 1,3,4 und 5: Alexej Wenzel

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