Regionalen Klimawandel beurteilen lernen (ReKli:B)

Dipl.-Geogr. Svenja Brockmüller, Christiane Schuler, M. Sc.,

Prof. Dr. Alexander Siegmund, Dipl.-Geoökol. Daniel Volz

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die Folgen des globalen Klimawandels sind weltweit bereits auf vielfältige Weise sichtbar. Neben dem Klimaschutz rückt daher die Entwicklung von Anpassungsstrategien in Hinblick auf die inzwischen unvermeidbaren Auswirkungen der zu erwartenden klimatischen Veränderungen immer mehr in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Interesses. Dies gilt insbesondere für die konkreten Folgen des Klimawandels auf regionaler Ebene in ökologischer, aber auch ökonomischer und sozialer Hinsicht, die für das individuelle Lebensumfeld besondere Relevanz aufweisen. Das Projekt möchte daher v.a. die Beurteilungskompetenz von Jugendlichen in Fragen des regionalen Klimawandels in einem interdisziplinären und multimethodischen Ansatz fördern. Sie bildet die Grundlage einer an den Kriterien der Nachhaltigkeit ausgerichteten Handlungskompetenz der jungen Generation.

Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden

Bezogen auf die drei Themenfelder Landwirtschaft, Forstwirtschaft und naturnahe Ökosysteme können Jugendliche im Rahmen des Projekts an exemplarischen Phänomenen wie etwa Bodenerosion oder dem veränderten Wachstumsverhalten von Bäumen bisherige und zukünftige Auswirkungen des Klimawandels in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld erkennen, analysieren und beurteilen. Grundlage der Beurteilungen bildet dabei ein innovativer methodisch-didaktischer Dreiklang aus Erhebungen im Gelände an regionalen Lernstandorten, vertiefender Analysen verschiedener Phänomene im Labor und der vereinfachenden Erarbeitung einzelner Prozesse im Experiment bzw. Modell. In einer durch Kooperationsvereinbarungen etablierten Zusammenarbeit mit Stützpunkschulen, dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald sowie dem Bioversum Kranichstein wurden die modellhaft entwickelten Lernmodule durch Multiplikatorenschulungen in der schulischen wie auch in der außerschulischen Umweltbildung implementiert. Ein Beirat mit Vertreter/-innen aus Bildungsförderung, Forschung, Fachdidaktik und schulischer Praxis stand dabei dem Projektteam beratend zur Seite. Zur dauerhaften Verankerung und weiteren Dissemination im jeweiligen institutionellen Kontext wurden in Rücksprache mit den Kooperationspartnern Methodenkoffer entwickelt und übergeben.

Ergebnisse und Diskussion

Im Rahmen des Umweltbildungsprojekts ReKli:B wurden am Beispiel der Region Bergstraße-Odenwald sechs Lernmodule zu den regionalen Folgen des Klimawandels auf „Bodenabtrag“, „Bodenfruchtbarkeit“, „Bodenwasserhaushalt“, „Baumartenanteile“, „Ernteerträge“ und „Phänologische Jahreszeiten“ entwickelt und in Zusammenarbeit mit fünf Stützpunktschulen und zwei außerschulischen Bildungspartnern erprobt und optimiert. Jede dieser Einheiten bildet den konzipierten methodisch-didaktischen Dreiklang aus „Erhebungen im Gelände“, „Vertiefender Analyse im Labor“ und „Vereinfachender Erarbeitung im Experiment bzw. Modell“ ab, so dass insgesamt 18 Teilmodule erarbeitet wurden. Alle Module wurden für ein (Netto-)Zeitfenster von 120 bis 240 Minuten konzipiert. Durch ein Baukastensystem können die Moduleinheiten darüber hinaus an den jeweils zur Verfügung gestellten Zeitrahmen angepasst werden und sind so insbesondere auch im Rahmen des Regelunterrichts (Doppelstunden mit 90 Minuten) nutzbar.Zur Erkundung von Klimafolgen im Gelände wurde entlang der Gemarkungsgrenze Heidelberg/Leimen ein Landschaftsausschnitt als Mustertransekt fachlich und didaktisch erschlossen. Zum Auftakt des methodisch-didaktischen Dreiklangs werden hier in jedem Modul durch problemorientierte Erhebungen (z.B. von Erosionsspuren oder Baumartenanteilen in verschiedenen Altersklassen des Waldes) Wechselwirkungen des Klimas mit Vegetation und Boden in verschieden genutzten Ökosystemen sichtbar gemacht und die Frage nach den jeweiligen Folgen künftiger Klimaveränderungen aufgeworfen. Die auf Klimafolgen orientierte Ausrichtung und Verknüpfung etablierter Analysemethoden der Boden- und Vegetationskunde wie z.B. die Bestimmung des Glühverlustes verschiedener Bodenproben oder die Analyse von Jahrringbreiten im Vergleich verschiedener Baumarten war darauf aufbauend integraler Bestandteil der Modulentwicklung im Labor. Einen dritten Schritt bildete die Veranschaulichung von Klimafolgen und möglicher Anpassungsstrategien im Modell bzw. Experiment. Die Modellbildung erfolgte sowohl durch die Nutzung oder Entwicklung konkret-gegenständlicher Modelle (z.B. Bodenerosionsmodelle, Modell von Klimaanpassungen im Obstbau), als auch bezogen auf abstrakt-digitale Computersimulationen (z.B. zur Bodenerosion oder Humusbilanzierung) und auf graphische Modelle (z.B. zur Verschiebung phänologischer Phasen). Für die Module „Phänologische Jahreszeiten“ und „Baumartenanteile“ wurden zwei modellhafte Veranschaulichungen grundlegend neu entwickelt und publiziert, darüber hinaus wurden etablierte Experimente (z.B. zur Bodenatmung, zum Wachstum von Pflanzen oder der Erodierbarkeit von Böden) zu Modellexperimenten weiterentwickelt und erstmalig in Bezug zur Frage nach den Folgen der zu erwartenden Klimaveränderungen gesetzt.Zur Unterstützung der Modulumsetzung im Rahmen der schulischen und der außerschulischen Umweltbildung wurde zum Projektabschluss ein Methodenkoffer zusammengestellt. Dieser ergänzt in Rücksprache mit den Projektpartnern der schulischen und außerschulischen Umweltbildung den Bestand an Geräten und Verbrauchsmaterialien, wie er in den naturwissenschaftlichen Laborräumen und -sammlungen weiterführender Schulen bzw. an den außerschulischen Lernorten üblicherweise vorhanden ist. Als Teil des Methodenkoffers wurde allen Projektpartnern ein Materialband übergeben. Eine uneingeschränkte Möglichkeit zum Download der Materialien ist aus Gründen des Urheberschutzes derzeit nicht vorgesehen, der Bezug über eine Anfrage an kontakt@geco-lab.de ist möglich. Zur Dissemination dient auch der Austausch in dem von der DBU geförderten Vernetzungs-Projekt MINT.nb im Rahmen von LernortLabor e.V. (Bundesverband der Schülerlabore), dem das Geco-Lab der Abteilung Geographie an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg angehört.

Während der Projektlaufzeit konnten in 121 Kursen insgesamt 2.220 Schüler/innen im Rahmen formaler Bildungsangebote mit den ReKli:B-Modulen erreicht werden ‑ 1.532, mehr als zwei Drittel davon, konnten das zu Projektstart als Schülerlabor, Fortbildungseinrichtung und Forschungswerkstatt neu eingerichtete „Geco-Lab, Kompetenzzentrum für geoökologische Raumerkundung“ als Lernort nutzen. 111 weitere Jugendliche wurden über außerschulische Bildungsangebote erreicht. Im Rahmen der Modulerprobung wurden insgesamt 43 Lehrpersonen kursbegleitend fortgebildet, dazu wurden drei spezielle Fortbildungen für die umweltpädagogischen Mitarbeiter/-innen der beiden außerschulischen Bildungspartner konzipiert und durchgeführt.

Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

In allen Projektphasen konnten Konzept und Ergebnisse durch Beiträge in Zeitschriften, in Sammelbänden sowie durch Vorträge und Posterpräsentationen auf fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Konferenzen vorgestellt werden. Eine vollständige Liste aller projektbezogenen Publikationen und Präsentationen ist einzusehen unter www.rgeo.de/cms/p/ReKliB3/. Zum Projektabschluss konnten zu einer Umweltbildungskonferenz unter dem Titel „Klimawandel verstehen – Anpassung gestalten: Bildungsangebote des ReKli:B-Projektes“ rund 30 Teilnehmer/-innen aus Schule, Hochschule und von außerschulischen Bildungspartnern begrüßt und die Bildungsinhalte des Projekts weiter disseminiert werden. Eine Reihe von Projekt-Kurzvorstellungen auf thematisch einschlägigen Webportalen umfasst dabei insbesondere auch die Aufnahme als „Best Practice-Beispiel“ der von „LernortLabor“ betriebenen und mit Mitteln des BMBF geförderten Portals „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schülerlaboren“ (www.bne-im-schuelerlabor.de). Der Best-Practice-Charakter wird auch durch die Auszeichnung des Projekts als „Werkstatt N-Projekt 2016“ durch den Rat für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung sowie die Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt unterstrichen.

Fazit

Mit dem Projekt ReKli:B ist es gelungen, die Aspekte regionaler Klimafolgen sowie die Notwendigkeit zur Entwicklung nachhaltiger Anpassungsstrategien problem- und handlungsorientiert exemplarisch in der schulischen und außerschulischen Bildungslandschaft der Region Bergstraße-Odenwald und darüber hinaus zu verankern und die konzipierte Entwicklung von innovativen Lehr-Lern-Modulen vollständig umzusetzen. Die enge Zusammenarbeit mit fünf Stützpunktschulen und den außerschulischen Bildungspartnern hat sich im Sinne eines gemeinsamen Entwicklungsvorhabens als sehr gewinnbringend erwiesen ‑ davon ausgehend erfolgte der Aufbau eines über das Projekt hinausreichenden Netzwerks aus Umweltbildnern, Umweltforschern und regionalen Umweltakteuren. Kapazitäre Engpässe in der Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Geo-Naturpark machten zu Beginn des Projekts den Zielkonflikt zwischen Innovationswunsch und ökonomischer Tragfähigkeit als besondere Herausforderung für außerschulische Bildungsträger sichtbar. Die Möglichkeit zur fachlichen und methodisch-didaktischen Weiterbildung in Bezug auf das Thema Klimawandel wurde jedoch gerade von diesen Projektpartnern als großer Gewinn formuliert. Aus dem Kern des Projekts ReKli:B sind zwischenzeitlich vier weitere Projekte zur Klimawandelbildung hervorgegangen, die durch unterschiedliche Institutionen auf Landes- und Bundesebene gefördert werden. Durch Übertragung auf weitere Regionen Baden-Württembergs, die Einbeziehung urbaner Räume, die damit verbundene Einbindung weiterer klimarelevanter Themenbeispiele sowie den Bezug zu neuen Zielgruppen (Unternehmen und Auszubildende) tragen diese zu einer längerfristigen Dissemination und Verstetigung des Konzepts und der Inhalte von ReKli:B bei.

ReKli:B-Abschlussbericht

Den Projektabschlussbericht als PDF zum Download (4 MB) finden Sie hier.

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